Kreissägeblätter
Mit Hilfe den vielfältigen Kreissägen und der speziellen Arbeitsweise eines Kreissägeblatts lassen sich vielfältige Schnittsituationen managen. Doch nicht jede Kreissägebauart und jedes Kreissägeblatt ist für jede Arbeit die richtige Wahl.
In diesem Beitrag geben wir Ihnen daher einen breiten Überblick: Alles, was Sie über Kreissägeblätter und Kreissägen wissen müssen. Nicht zuletzt, um beim Kauf von beidem die richtige Entscheidung treffen zu können.
Das Kreissägeblatt und seine Varianten
Welches Sägeblatt Kreissäge Sie benötigen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das bedeutet, es ist stets nötig, unter den verschiedenen Optionen das jeweils passende Kreissägeblatt auszuwählen. Nur dann ist es möglich, alle gewünschten Parameter des Schnitts optimal anzusprechen. Doch was macht ein Kreissägeblatt aus?
Die Zähne
Eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale sämtlicher Kreissägeblätter sind die Zähne. Genauer:
- Material,
- Anzahl bzw. Abstand zueinander und
- verschiedenste Winkel und andere Faktoren der sogenannten Zahngeometrie.
Zusammen ergibt sich daraus eine enorme Vielfalt. Jede Zahn-Art ist nicht nur für eine festgelegte Kategorie von Materialien konzipiert, sondern es gehen damit noch weitere Faktoren rund um den Schnitt einher:
- Die Schnittrichtung bezogen auf die Faser: Bei Kreissägeblättern für Holz beispielsweise werden für Längsschnitte größere Zahnabstände benötigt als für Querschnitte.
- Die mögliche Schnittgeschwindigkeit: Insbesondere bezogen auf:
- die Schnittgüte, also wie fein ein Schnitt ausfällt, wie die Ränder des Schnittguts aussehen etc.
- das Schnittverhalten – etwa, wie gut ein Kreissägeblatt sich ins Material hineinzieht oder wie es sich gegenüber Fremdkörpern verhält.
- die Langlebigkeit bzw. Standzeit: Damit ist gemeint, wie viele Schnitte möglich sind, bevor das Blatt durch Abstumpfung allmählich „nachlässt“.
Die meisten dieser Punkte wird durch die Formgebung der Zähne bestimmt. Im Prinzip gibt es hier mehrere gängige Grundformen:
- Dachzahn
- Flachzahn
- Hohlzahn
- Trapezzahn
- Wechselzahn
Sie unterteilen sich wiederum in mehrere Sonder- oder Mischformen. Etwa der Trapez-Flachzahn, der unter anderem für beschichtete Holzwerkstoffe benutzt wird. Oder der Wolfszahn für schnelle, grobe Holzschnitte.
Für jede Kreissäge, jedes Schnittgut und jede gewünschte Qualitätsstufe sind somit passende Sägeblätter verfügbar. Das bedeutet aber ebenso: Nicht jedes Blatt ist für jede Säge tauglich oder kann sogar überhaupt auf dieser montiert werden! Ein Kreissägeblatt 700 mm beispielsweise ist nur für größere Kreissägen geeignet – während ein Kreissägeblatt 250 bei einer solchen Säge mitunter nicht weit genug hervorragen würde oder eine viel zu hohe Drehzahl hätte. Allerdings ist dies nicht nur eine Sache des Durchmessers. Beispiel: Zwei 250-Millimeter-Kreissägeblätter. Eines in Hartmetall-Ausführung für Holz, das andere als HSS-Version für Metalle. Durch Verwendung von Reduzierringen könnte das Metallsägeblatt auf derselben Säge montiert werden – diese würde für eine sinnvolle, sichere Verwendung jedoch viel zu schnell drehen.
Grundsätzlich sollten Sie deshalb vor jedem Kreissägeblattkauf die Betriebsanleitung Ihrer Säge durchlesen. Dort finden Sie alle relevanten Informationen inklusive der für diese Maschine freigegebenen Abmessungen.
Die Qualitätslevels und Materialien
Neben der enormen Vielfalt bei den Zahnformen gibt es eine gewisse Bandbreite auch bezüglich der Materialien und der Herstellung der Kreissägeblätter. Zwar bestehen ausnahmslos alle aus einem Metall. Doch schon beim sogenannten Stammblatt (der Grundkörper des Kreissägeblattes) und erst recht bei den Zähnen gibt es verschiedene Optionen.
An der Basis steht die Güte bei der Herstellung selbst:
- Gespannt: Das Kreissägeblatt wird gezielt gewalzt, um es durch Spannungen zu stabilisieren.
- Gerichtet*: Durch diesen meist maschinellen Prozess ist das Kreissägeblatt absolut eben. Es bewegt sich also im Betrieb nicht nach den Seiten.
- Ausgewuchtet: Ausgehend von der Blattmitte ist das Kreissägeblatt in jeder Richtung gleichschwer. Das reduziert Vibrationen im Betrieb und schont unter anderem die Lager der Kreissäge.
* Spannen und Richten werden in aller Regel erst ab einem bestimmten Sägeblattdurchmesser notwendig.
Hochwertige Kreissägeblätter sind stets gespannt, gerichtet und ausgewuchtet und somit trotz womöglich grober Anwendungsfelder das Ergebnis echter Präzisionsarbeit.
Daneben werden dann die Materialien von Stammblatt und Zähnen entscheidend. Hier sind die wichtigsten Vertreter:
- Kohlenstoffstahl-Sägeblatt (CS): Stammblatt und Zähne bestehen aus einem niedriglegierten Stahl mit hohem Kohlenstoffgehalt.
Eigenschaften: günstig, einfach nachzuschärfen, gute Schnittgüte, wird schnell stumpf
- Chrom-Vanadium-Sägeblatt (CV): Stammblatt und Zähne bestehen aus einem mit Chrom und Vanadium legierten Stahl.
Eigenschaften: günstig, gute Schnittgüte, etwas längere Standzeit (als CS), einfach nachzuschärfen, Einsatz häufig im professionellen Bereich
- Schnellarbeitsstahl-Sägeblätter (HSS): Der Zahnbereich besteht aus Schnellarbeitsstahl.
Eigenschaften: große Härte und daher große Widerstandsfähigkeit; häufig für Metallschnitte genutzt
- Hartmetall-Sägeblatt (HM): Das Stammblatt besteht meist aus Chrom-Vanadium-Stahl. Die Zähne sind aus Materialien wie etwa Kobalt, Tantal oder Wolfram gesintert und werden aufgelötet.
Eigenschaften: hohe Standzeit und Schnittgüte ungeachtet des Schnittguts, dafür etwas kostspieliger
- Vollhartmetall-Sägeblatt: Hier besteht alles aus Hartmetall, auch das Stammblatt.
Eigenschaften: noch höhere Schnittgüte
- Diamanten-Sägeblatt (PKD-Sägeblatt, polykristalliner Diamant): Das Stammblatt besteht meist aus Chrom-Vanadium-Stahl. Die Zähne sind aus Hartmetall. Das dient jedoch nur als tragender Untergrund für eine Schicht aus Diamanten.
Eigenschaften: extreme Widerstandsfähigkeit selbst bei abrasivem und sehr hartem Schnittgut
Kreissägeblätter nach Kreissägen
All die obigen Faktoren zusammen sind zwar vielfältig. Dennoch gibt es für fast jeden Kreissägetyp eine breite Auswahl möglicher Sägeblätter – allerdings existieren trotzdem Unterschiede bzw. Limitierungen:
- Die Baugröße der Kreissäge und damit die möglichen Minimal- und Maximalabmessungen des Kreissägeblatts.
- Die Bauart der Kreissäge und ob sie selbst bewegt wird oder das Schnittgut. Das hängt insbesondere mit der Zahnstellung zusammen.
- Die Drehzahl der Kreissäge und ob diese verstellbar ist. Hier spielen unter anderem Zahnanzahl und Wärmeabfuhrfähigkeit des Kreissägeblatts eine Rolle.
- Der Arbeitscharakter der Kreissäge: Viele Sägen sind entweder für eher grobe oder feine Arbeiten gedacht. Für eine Wippsäge etwa, die für das Sägen von Brennholz vorgesehen ist, werden beispielsweise keine Blätter für feinste Schnitte angeboten.
- Die Spezialisierung der Kreissäge für bestimmte Materialien: Einige Kreissägen sind auf einen bestimmten Materialtyp spezialisiert. Entsprechend ist hier die Auswahl an Blättern mitunter limitiert.
Kreissägeblätter nach Schnittgutmaterial
Das Schnittgut wirkt sich in verschiedenerlei Hinsicht auf den Sägeblattkauf aus:
- Die Härte, also wie viel Widerstand das Material dem eindringenden Zahn gegenüber aufbringt.
- Die Spancharakteristik, sprich wie dick und lang die Späne werden.
- Die Wertigkeit, sie bestimmt, wie hoch die Schnittgüte sein muss und wieviel Verschnitt möglich sein darf.
Ganz grob unterscheidet man deshalb Kreissägeblätter nach bestimmten Materialkategorien. Konkret sind dies Holz und Holzwerkstoffe, Metall, Kunststoff, Faserzement, Sandwich-Materialien und Dämmstoffe.
Ferner existieren Multifunktions-Kreissägeblätter. Sie sind durch eine Hartmetallbestückung für verschiedene Materialien geeignet.
Kreissägeblätter, ihre Maschinen und Arbeitsbereiche
Es gibt gleich mehrere Maschinen, die alle fachlich völlig korrekt als „Kreissäge“ bezeichnet werden dürfen – wenngleich dieser Begriff allein etwas schwammig ist. Die gängigsten Modelle stellen wir hier vor.
Jedes davon zeichnet sich nicht nur durch eine eigene Arbeitsweise aus, sondern ebenso durch entsprechende Stärken und Schwächen. Dadurch spielt das jeweilige Kreissägenmodell eine zentrale Rolle beim Kauf eines Kreissägeblattes – weit über das Thema Abmessungen und Durchmesser der Aufnahmebohrung hinaus.
Handkreissäge
Diese handgeführte Kreissäge wird vom Bediener durch das unbewegte Schnittgut geführt. Bei manchen Modellen ist das Kreissägeblatt fest montiert und damit nicht höhenverstellbar. Ändern lässt sich dieser Wert dann nur (und stets nur in eingeschränktem Rahmen) durch die Verwendung eines Kreissägeblattes mit einem anderen Durchmesser.
Die meisten Sägemodelle erlauben jedoch die Höhenverstellung des Sägeblattes und tragen damit auch die Bezeichnung Tauchkreissäge. Das Sägeblatt ist hier nicht fest gelagert und kann beim Sägen in das Werkstück eingetaucht werden. Somit sind auch Schnitte möglich, die nicht am Werkstückrand beginnen.
Weiter gestattet es die Tauchsäge Ihnen, das Kreissägeblatt stufenlos auszufahren. Nuten in frei wählbarer Tiefe (bis zum maximal ausgefahrenen Maß) sind daher ebenso möglich wie Schnitte, die gerade eben das Werkstück penetrieren – weshalb darunter kein so großer Sicherheitsbereich verbleiben muss.
Zudem ist bei vielen Handkreissägen die Bodenplatte seitlich kippbar. Dadurch können Sie damit beispielsweise Gehrungsschnitte anfertigen. Doch Vorsicht: Die Winkelanzeigen an günstigen Handkreissägen sind oft ziemlich grob. Für höchste Präzision sollten Sie deshalb die Einstellungen mit einem genaueren Winkelmesser vornehmen.
Zug-Kapp-Gehrungssäge
Diese meist tischmontierte Maschine vereint strenggenommen drei ähnlich aufgebaute, aber unterschiedlich arbeitende Sägen. Durch die Konstruktion ist zwar die Schnittlänge hier recht limitiert bzw. benötigen längere Schnitte Workaround-Lösungen. Dafür allerdings sind nur wenige andere Sägen so vielfältig hinsichtlich der Winkel verstellbar – und gestatten überdies absolut wiederholgenaue Schnitte. Da hierbei das Schnittgut in einer verstellbaren Halterung sitzt, stehen Ihnen noch weitere Verstellmöglichkeiten offen.
Diese Säge gehört daher definitiv zu den präzisesten Kreissägen (erst recht im hobbytauglichen Preissegment) und ist insbesondere beim Zurechtschneiden von komplexeren Formen ein fast alternativloser Helfer.
Metallkreissäge
Optisch ähnelt die Metallkreissäge einer Zug-Kapp-Gehrungssäge. Typischerweise ist sie jedoch nur über einem dazugehörigen Sägetisch in der Senkrechten kippbar, um auf das Werkstück gesenkt zu werden. Das Werkstück wird ebenfalls auf einem darunterliegenden Tisch mit einem verstellbaren Halter fixiert.
Der zentrale Unterschied: In Sachen Leistung ist die Metallkreissäge voll und ganz für dickere Metallstücke gedacht. Wo die meisten anderen Kreissägen eher dünne Bleche und Profile bearbeiten können, ist diese Maschine auch für Rohre und stärkere Bauteile geeignet. Höherwertige Geräte verfügen über einstellbare Drehzahlen (wichtig für unterschiedliche Metalle), teils gibt es sogar Geräte mit Kühlsystem.
Generell dreht eine Kalt-Kreissäge für Metall stets langsamer als eine Kreissäge für Holz. Ebenso sind die Bohrungsdurchmesser der Sägeblätter absichtlich größer.
Tischkreissäge
Alle bisher genannten Kreissägen liegen im Betrieb beweglich oberhalb eines festliegenden Schnittguts. Die Tischkreissäge ist die erste in dieser Liste, bei der es andersherum ist. Aus einem Sägetisch (daher der Name) unterschiedlicher Größen ragt das Sägeblatt von unten hervor. Selbst bei günstigsten Modellen ist es höhenverstellbar und neigbar. Zum Schneiden wird das Schnittgut händisch bewegt.
Durch Stützen und Verlängerungen lassen sich damit recht große Bauteile bearbeiten. Mit entsprechenden Anschlägen sind überdies verschiedene Gehrungswinkel möglich.
Baukreissäge
Konstruktiv der Tischkreissäge sehr ähnlich, ist die Baukreissäge eher eine Maschine fürs Grobe. Ihr Einsatzgebiet findet sich auf Baustellen, um dort beispielsweise Schaltafeln oder Balken passend abzulängen. Das Kreissägeblatt ist meistens nicht verstellbar. Hinsichtlich seiner Zahngeometrien ist es, ebenso wie die Säge selbst, voll und ganz auf hohe Robustheit und lange Standzeiten im Angesicht von verunreinigten Schnittgütern optimiert – etwa Schalungstafeln mit Anhaftungen von Beton, Putz oder Nägeln.
Dadurch ist die Baukreissäge samt Kreissägeblatt keine Maschine für präzise, saubere Schnitte, sondern eher „fürs Grobe“.
Formatkreissäge
Die Formatkreissäge ist eine leistungsfähigere Evolutionsstufe der Tischkreissäge. Ihr zentrales Merkmal: Der Sägetisch ist beweglich. Außerdem ist er bei den meisten Formatkreissägen deutlich größer als bei Tischkreissägen. Dadurch lassen sich große Werkstücke ohne zusätzliche Helfer bearbeiten. Überdies sind die meisten Formatkreissägen als Profimaschinen besonders präzise.
Wippsäge
Von allen hier vorgestellten Maschinen besitzt die Wippsäge die mit Abstand größten Sägeblätter. Denn ihr Einsatzbereich liegt ausschließlich bei der Brennholzverarbeitung. Dazu besitzt sie eine Wiege für Meterstücke. Wird sie vom Bediener nach vorne gekippt, drückt eine Mechanik eine Schutzhaube über dem Kreissägeblatt weg und der Sägevorgang beginnt.
Wippsägen und ihre Kreissägeblätter sind stets auf kompromisslose Schnittleistung und Standzeiten optimiert. Zudem ist diese Maschine eine der wenigen, die aufgrund des Einsatzraumes auch mit alternativen Antrieben vorhanden ist: Verbrennungsmotoren und Zapfwellenanschlüsse für Forsteinsätze.
Was für was? Welche Kreissäge für welche Arbeiten geeignet ist
Bis auf Spezialfälle wie die Baukreis- und die Wippsäge, ferner die Metallkreissäge, können Sie prinzipiell jede Kreissäge für eine breite Reihe von Arbeiten bzw. Materialien einsetzen. Das ist der Vorteil der enormen Bandbreite möglicher Kreissägeblätter.
So kann ein Handkreissägeblatt sowohl für Längsschnitte in Weichholz optimiert sein als auch, um damit beispielsweise Faserzementplatten zu schneiden. Nutzen Sie dazu in unserem Shop die Auflistung „Kreissägeblätter nach Blattart / Sägetyp“. So finden Sie am schnellsten das zum jeweiligen Werkstückmaterial passende Kreissägeblatt.
Basics für Heimwerker: Eine Kaufreihenfolge
Die Vielfalt der Kreissägen und die Tatsache, dass sich mit fast jeder davon verschiedene Materialien bearbeiten lassen, bedeutet gerade für Einsteiger definitiv eine Qual der Wahl. Wenn Sie nicht recht wissen, mit welcher Kreissäge Sie beginnen sollten und welche weiteren Kreissägen Sie danach ergänzend beschaffen sollten, finden Sie jetzt für verschiedene Szenarien passende Tipps:
- Allgemeines Heimwerken: Tauchkreissäge, Tischkreissäge, Zug-Kapp-Gehrungssäge
- Präzises Basteln: Zug-Kapp-Gehrungssäge, (Mini-)Tischkreissäge, Mini-Handkreissäge
- Metallarbeiten: Tauchkreissäge, Metall-Kappsäge
- Renovierung und Sanierung: Tischkreissäge, Zug-Kapp-Gehrungssäge, Tauchkreissäge, ggf. Baukreissäge
- Brennholzverarbeitung: Wippsäge
- Dämmstoffverarbeitung: (große) Zimmermanns-Handkreissäge